Keine Frage, Ihr Baby braucht Sie. Es möchte liebkost, ernährt,
gewaschen und gewickelt werden. Das alles kostet Zeit und
Energie. Dann sind noch Arztbesuche und Behördenwege zu
erledigen.
"Nie spielst Du mit mir", mag Ihnen Ihre ältere Tochter vorwerfen,
und von Ihrem Partner bekommen Sie zu hören:
"Merkst Du überhaupt, dass ich auch noch vorhanden bin?".
"Was ist mit meiner Familie los?" überlegen Sie, "eine Mutter
muss sich um ihr Kind kümmern, das Kleine braucht mich";
und Sie werden Ihre Anstrengungen verdoppeln, um es allen
recht zu machen.
Aber wie ist das mit Ihren eigenen Bedürfnissen, Wünschen
und Gefühlen? Besteht nicht die Gefahr, dass Sie bei all den
Verpflichtungen, die "eine Mutter hat", auf sich selbst und Ihren Körper vergessen?
Keine Frage. In den ersten Wochen nach der Geburt geht alles
ein wenig drunter und drüber. Sie sind froh, mit Ihrem Baby dem abends oft so müde und ausgelaugt fühlen, warum so viel
Hausarbeit liegen bleibt, warum Sie "zu gar nichts kommen".
Es ist ganz normal, dass Sie sich ein wenig erschöpft fühlen.
Geburt und Stillen eines Kindes beanspruchen körperliche
Energien. Treiben Sie sich nicht zusätzlich zu Höchstleistungen
an, die nicht notwendig sind; sie müssen in der Karenz nicht
unbedingt einen Männerpullover fertigstricken, ein 400 Seiten
dickes Sachbuch lesen oder Ihre Bekannten zu einem ausgefallenen Abendessen für 12 Personen einladen.
Keine Frage. Ihr Kind braucht Liebe und Zärtlichkeit. Aber
nicht nur Ihr Kind. Wenn Sie in den Wochen nach der Geburt
keine Lust auf Sex haben, dann ist das nicht unbedingt ein
Anzeichen dafür, dass es mit der Liebe aus und vorbei ist. Ihr
Körper muss erst die vergangenen Ereignisse verkraften. Vielleicht
konzentrieren Sie aber Ihre gesamte Liebesenergie ausschließlich
auf Ihr Baby. Es ist weich, kuschelig, greift sich gut
an, schmust gerne, und so verspüren Sie gar nicht mehr das
Bedürfnis, Ihren Partner zu berühren und zu lieben.
Diese
Phase geht nach einiger Zeit vorüber. Kritisch wird es erst,
wenn Sie sich dabei ertappen, Ihren Partner nur mehr mit
"Vati" anzureden, und wenn Sie Ihre erotischen Bedürfnisse
völlig einfrieren.
Keine Frage. Die Entwicklung eines Kindes mitzuerleben, ist
faszinierend. Sie beobachten jede Bewegung Ihres Babys, warten
auf ein Lächeln, sorgen sich, wenn es weint, freuen sich,
wenn es nach Ihnen greift. Nichts anderes interessiert Sie mehr.
Sie und das Kind bilden eine abgeschlossene Welt, in der für
Freunde und Hobbys kein Platz bleibt.
"Mit dem Kind kann ich doch nirgends hingehen." Haben
Sie diesen Satz nicht schon mehrmals Ihren Freunden und
Bekannten entgegengehalten, wenn Sie zu einem Caféhausbesuch,
einem Spaziergang oder ins Kino eingeladen wurden?
Keine Frage. Die Wochen und Monate seit der Geburt sind wie
im Flug vergangen. Sie haben sich in dieser Zeit in erster Linie
mit Ihrem Kind beschäftigt. Aber einmal geht auch die Karenzzeit
zu Ende, und Sie stehen vor der Frage: Bleibe ich zu Hause,
oder gehe ich an meinen Arbeitsplatz zurück?
Viele Frauen schieben diese Entscheidung lange vor sich her.
Wenn Sie sich für Ihren Beruf entscheiden, bedeutet das keineswegs,
dass sie damit automatisch Ihr Kind vernachlässigen.
Schließlich arbeiten auch 95 Prozent aller Väter nach der
Geburt Ihres Kindes weiter und kein Mensch würde auf die Idee
kommen, ihnen deswegen zu unterstellen, sie seien schlechte
Väter.
Aus welchem Grund auch immer Sie sich für die Berufstätigkeit
entscheiden, entweder, weil Sie das Geld brauchen oder
weil Sie Spaß an Ihrem Job haben, kümmern Sie sich rechtzeitig
um die Betreuung Ihres Kindes.