"Liebe ist, wenn er oder sie mir die Wünsche von den Augen
abliest." Glauben auch Sie, dass der "ideale Partner" oder die
"ideale Partnerin" von sich aus weiß, wovon Sie träumen, in
welcher Stimmung Sie sind, was Sie sich ersehnen?
Dass einer dem anderen die Wünsche von den Augen abliest,
kommt nur in Filmen vor. Oft glaubt man, der oder die andere
müsse doch spüren, wonach man sich sehnt und ist enttäuscht,
wenn die erhoffte Reaktion ausbleibt.
Das Geheimnis gut funktionierender Partnerschaften liegt
aber oft darin, dass beide miteinander darüber reden, was sie
sich voneinander erwarten, welche Vorstellungen von Alltag,
Sexualität, Beruf, Kindererziehung sie haben.
Bedürfnisse und
Wünsche, die nicht ausgesprochen werden, verschwinden nicht
von selbst, sondern schaukeln sich im Laufe der Zeit zu handfesten
Konflikten auf. Das Ergebnis: Streit.
Nun ist Streit zwar unvermeidbar zwischen Menschen, die
zusammenleben, aber es muss nicht so ausarten, dass die Fetzen
fliegen, und man sollte zumindest über jenes Thema streiten,
das einen wirklich ärgert. Häufig wird über eine bestimmte
Sache gestritten, gemeint ist aber eine andere.
Experten nennen
das den "verlagerten Konflikt". Sie streiten z.B. mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über das Haushaltsgeld, meinen in Wirklichkeit aber Ihr gemeinsames Liebesleben. Weil das
Thema Sexualität zu "heiß" ist, wird es unbewusst über das
nicht so verpönte Thema Geld ausgetragen.
Es lässt sich auch
leichter sagen: "Wir müssen sparen, es geht einfach nicht, dass
Du Dir schon wieder etwas kaufst", als "eigentlich habe ich im
Moment keine Lust, mit Dir zu schlafen".
Spitze Bemerkungen, vorwurfsvolles Schweigen, ein beleidigter
Gesichtsausdruck sind keine erfolgreichen Verhaltensweisen,
um die eigenen Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Zum
einen könnte Ihr Partner oder Ihre Partnerin mit den
Gedanken ganz woanders sein, dann fällt Ihr Verhalten gar nicht
auf, zum anderen könnte er oder sie ebenfalls in beleidigtes
Schweigen verfallen, und Sie haben wieder nichts erreicht.
Überfallen Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin auch nicht
mit allgemein gehaltenen Vorwürfen wie "nie hast Du Zeit...",
"immer muss ich...", "jedesmal machst Du...". Der andere fühlt
sich angegriffen, wehrt alles was Sie sagen pauschal ab, ohne
darüber nachzudenken, ob er nicht sein Verhalten ändern
könnte.
Versuchen Sie das, was Ihnen am Herzen liegt, möglichst
ohne anklagenden Unterton in der "Ichform" zu sagen: "Ich
wünsche mir...", "Ich hätte gerne...", "Mich stört, wenn...".
Bemerkungen wie: "Du denkst, weil Du...", "Du glaubst,
dass..." werden nur dann Erfolg haben, wenn Ihr Partner oder
Ihre Partnerin akzeptiert, dass Sie seine oder ihre Gedanken
lesen können und einen besseren Einblick in die Gemütslage
haben als er oder sie selbst.
In der Regel lösen Sätze, in denen
man dem Partner bzw. der Partnerin erklärt, was er oder sie
fühlt und denkt, keine gesteigerte Freude und Einsicht beim
anderen aus.
Wenn Sie als Frau mit Ihrem Partner über Ihre sexuellen
Wünsche und Bedürfnisse sprechen, helfen Sie nicht nur sich
selbst, sondern auch dem anderen, mit der neuen Situation fertig
zu werden.
Denn nicht nur Sie, auch Ihr Partner ist verunsichert,
vor allem dann, wenn Sie Ihr erstes Kind erwarten. Fragen
Sie Ihren Partner auch nach seinen Wünschen und Befürchtungen.
Männer haben oft Angst, während des Liebesspiels das
Kind zu verletzen oder ihrer schwangeren Partnerin zu viel
zuzumuten.