Das sagt der dänische Mediziner Ole Christiansen. Er hat diesbezüglich die Ergebnisse einer Untersuchung von Frauen mit mehreren Fehlgeburten vorgestellt.
Demnach kommen Serien-Fehlgeburten zwar auch bei Frauen vor, die zunächst ein Mädchen geboren haben. Aber die Wahrscheinlichkeit steigt drastisch an, wenn das erste Kind ein Bub war.
Als Ursache für den statistisch messbaren Unterschied nimmt Christiansen an, dass während der Schwangerschaft mit dem Erstgeborenen das Immunsystem der betroffenen Mütter eine dauerhafte Schädigung erleidet.
Der männliche Fötus würde demnach bei der Bildung der Plazenta die Immunabwehr seiner Mutter angreifen. Der mütterliche Körper könne den Fötus in dieser Phase nicht mehr abstoßen, behalte aber die Abwehrreaktion, die dann bei weiteren Schwangerschaften zu Fehlgeburten führe.
Christiansens Untersuchung beruht auf Daten von 204 Frauen, die nach der Geburt eines Kindes jeweils mindestens drei Fehlgeburten in Folge erlitten. Nur 54,4 Prozent von ihnen gebaren bis zum Abschluss der Studie im Jänner 2002 ein weiteres Kind, wenn der Erstling ein Bub war. War das Erstgeborene ein Mädchen, lag der Prozentsatz bei 73 Prozent.
Wenn die von Mehrfach-Fehlgeburten betroffenen Frauen überhaupt noch ein Kind zur Welt brachten, so gelang dies nach einer männlichen Erstgeburt im Schnitt erst nach 3,9 Fehlgeburten, im Falle einer weiblichen Erstgeburt nach 3,5 Fehlgeburten. Auch lag das Geburtsgewicht der weiteren Babys höher, wenn das Erstgeborene ein Mädchen war.
Offenbar gebe es im Immunsystem der Mutter eine Art "Gedächtnis", mit dessen Hilfe spätere Embryonen abgestoßen würden. Eine Behandlungsmethode für die betroffenen Frauen bestünde vermutlich darin, sie gegen die typisch männlichen Antigene immun zu machen. (ag/apa)