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Jedes 10. Kind hat Neurodermitis

Heutzutage stellen Allergien die häufigste Erkrankungsgruppe unter Kindern da und die Zahl der Betroffenen steigt stetig.
So zeigt mittlerweile etwa bereits jedes 10.Kind Symptome von Neurodermitis. Viele Eltern fühlen sich mit diesem Thema überfordert und suchen diverse Hilfestellungen um ihren Kindern eine bestmögliche Unterstützung bieten zu können. www.elternbildung.at bietet rund um dieses Thema diverse Expertenstimmen an und Angaben zu wichtigen Informationsstellen.

Eine Allergie zu haben bedeutet, dass das Immunsystem auf an sich harmlose Substanzen wie Hausstaub, Blütenpollen, Tierhaare, Nahrungsmittel u.ä. (Allergene) mit Krankheitssymptomen wie etwa Hautausschlag, Atemnot, Entzündungen der Nasenschleimhäute und Augen oder Durchfall reagiert.

Die Reaktionsweise des Körpers, Allergien gegen verschiedenste Stoffe zu entwickeln, ist angeboren. Umweltfaktoren spielen aber eine wichtige Rolle in der Ausprägung der Allergien. Auch wenn die Ursachen für die Entstehung von Allergien nicht restlos geklärt sind, scheint der wesentliche Lebensstil jedenfalls zur Erhöhung der Allergiehäufigkeit beizutragen.

Für ein möglichst beschwerdefreies Leben mit Allergien ist es notwendig, sich mit einem Allergietest Klarheit über die Auslöser der Beschwerden zu verschaffen und mit einem Arzt/einer Ärztin des Vertrauens eine individuelle Therapie zu besprechen und diese konsequent einzuhalten.

Dabei soll das Ziel sein, die Ausbildung weiterer Allergien zu vermeiden, bei bereits bestehenden Allergien ein Fortschreiten und damit eine Chronifizierung der Erkrankung zu vermeiden. Daneben können alternative Behandlungsmethoden aber auch eine Anpassung des Lebensstils Linderung verschaffen.

Was ist die Neurodermitis?

Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis oder endogenes Ekzem) ist eine häufige Hauterkrankung aus der Gruppe der Atopien (mit Allergien assoziierte Krankheiten).

Trockene Haut mit zeitweise starkem Juckreiz ist typisch, das Krankheitsbild kann aber je nach Patient und Alter sehr unterschiedlich verlaufen. Im Säuglingsalter zeigt sie sich vor allem an den Wangen als Rötung, manchmal mit gelblich-bräunlichen Krusten, aber auch an Armen und Beinen oder am Körper (Rumpf). Ab dem zweiten Lebensjahr treten die Veränderungen meist als trockene Stellen an Ellenbeugen und Kniekehlen sowie am Nacken und an den Handgelenken auf. Man sieht oft deutliche Kratzeffekte bis zu blutenden Hautläsionen.

Die Ursache ist noch weitgehend unbekannt, wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren zusammen auf Basis einer erblichen Veranlagung. In den meisten Fällen bessert sich die Erkrankung mit zunehmendem Lebensalter, ein Teil der Patienten kann aber eine andere Erkrankung des atopischen Formenkreises (z.B. Asthma) entwickeln.

Symptome

Im Vordergrund steht der zeitweise starke Juckreiz und eine trockene Haut. Im Säuglingsalter sieht man vor allem an Wangen und behaartem Kopf, bei Schüben am ganzen Gesicht und Rumpf Rötungen mit Bläschen und Krusten. Durch das Kratzen kommt es zu entzündlich-nässenden Ekzemen mit Kratzspuren. Bei Kindern sind typischerweise Ellbeugen und Kniekehlen sowie der Nacken betroffen.

Die Erkrankung verläuft schubweise, Auslöser sind psychische Belastungen, Wetterveränderungen, Reaktionen auf Waschmittel oder Nahrungsmittel, wie z.B. Nüsse, Milch etc. Eine Besserung ist oft bei Klimawechsel (Gebirgsklima über 1500m oder Meeresklima) möglich.

Verlauf

Bei einem Großteil der betroffenen Kinder verschwinden die Hautveränderungen bis zum Erwachsenenalter wieder, mit einer längeren Krankheitsdauer muss aber beim Vorhandensein einer erblichen Belastung, Beginn der Erkrankung vor dem dritten Lebensmonat, schwerwiegendem Verlauf oder dem Auftreten von Allergien gerechnet werden.

Komplikationen

Vor allem Infektionen der offenen Hautstellen mit Bakterien (Staphylokokken) oder mit Herpes (Ekzema herpeticatum) können auftreten.

Tipps für die Ernährung bei Neurodermitis

Die Stillzeit
Stillen ist die beste Ernährung für Säuglinge, auch zur Vorbeugung der Entstehung von Neurodermitis. Es sollte in Familien mit Allergiebelastung wenn möglich mindestens vier, besser aber sechs Monate ausschließlich gestillt werden. Wenn das nicht möglich ist, sollte Babynahrung mit dem Zusatz HA (= „hypoallergen “) verwendet werden.

Vermeiden Sie aber hochallergene Nahrungsmittel wie zum Beispiel Kuhmilch, Fisch, Meeresfrüchte, Nüsse oder rohes Hühnerei.

Nach dem 6. Monat
Nach dem sechsten Lebensmonat kann man Beikost anbieten. Geben Sie neue Nahrung einzeln und im Abstand von mehreren Tagen, damit Sie sehen, ob Ihr Kind das neue Lebensmittel verträgt.

Im ersten Lebensjahr sollte Ihr Kind keine Kuhmilch erhalten, achten Sie aber auf ausreichende Kalziumzufuhr, z.B. durch kalziumreiches Mineralwasser. Hochallergene Nahrungsmittel wie Fisch, Eier, Nüsse und Zitrusfrüchte sollte man erst nach dem ersten Geburtstag anbieten.

Ab dem ersten Lebensjahr
Es gibt keine generelle Neurodermitisdiät, achten Sie aber besonders auf Unverträglichkeiten und besprechen Sie die Ernährung mit Ihrem Kinderarzt. Sinnvoll ist es, die Wirkung bestimmter Nahrungsmittel auf die Haut zu beobachten, z.B. Zitrusfrüchte, Obstsäfte und Gewürze. Auch eine ausreichende Menge an Flüssigkeitszufuhr spielt eine wichtige Rolle, da die Schweißabgabe bei Neurodermitis gestört ist.

Tipps für die Hautpflege

Neurodermitis-Haut braucht besondere Pflege. Die Haut ist trocken, juckt und der Fettsäuresmantel ist dünn, weshalb die Rückfettung der Haut von besonderer Bedeutung ist. Kratzende und zu warme Kleidung z.B. aus Wolle sollte gemieden werden und beim Waschen sollte kein Weichspüler verwendet werden.

  • Der pH-Wert der Pflegemittel sollte möglichst dem der Haut entsprechen und bei etwa 5,5 liegen
  • Nehmen Sie sich für die Hautpflege Zeit
  • Behandeln Sie nicht jede Körperregion gleich
  • Verwenden Sie mehrmals täglich rückfettende Salben
  • Fette Cremes und Salben sollten Sie nur auf die betroffenen Hautstellen auftragen
  • Tragen Sie die Präparate nicht zu dick auf
  • Regelmäßiges Nägelschneiden ist wichtig
  • Beachten Sie die Ablaufdatendaten der Pflegeprodukte
  • Bei einem nässenden oder eitrigem Ekzem sollten Sie den Arzt aufsuchen
  • Erklären Sie Ihrem Kind die Hauterkrankung so gut wie möglich
  • Bei Schmerzen helfen kalte Umschläge mit schwarzem Tee oder sanftes Klopfen auf die schmerzende Haut
  • Achten Sie auf mögliche Auslöser
  • Kleinkinder können in der Nacht Baumwollfäustlinge tragen
  • Bettwäsche mit Baumwollfüllung ist besser verträglich
  • Raumtemperatur etwa 20°C, Luftfeuchtigkeit mindestens 55%
  • Suchen Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen
  • In Problemsituationen sollten Sie auch professionelle psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen, da die Situation zu einer großen Belastung für die ganze Familie werden kann.
Tipps für das Baden

Üblicherweise bessert sich der Hautzustand, wenn die Kinder nicht mehr als zweimal pro Woche gebadet werden und die Temperatur nicht über 36°C liegt. Baden Sie etwa 10 Minuten lang und verwenden Sie Badezusätze wie z.B. Mandelöl, man kann aber auch einen Esslöffel kalt gepresstes Olivenöl mit einem Viertel Liter Milch mischen und ins Badewasser geben. Trocknen Sie die Haut nach dem Baden vorsichtig ab und cremen Sie anschließend mit Fettcreme ein.

Tipps für den Juckreiz

Der oft sehr starke Juckreiz selbst kann durch Maßnahmen wie Kälte (feuchte Umschläge mit zum Beispiel schwarzem Tee oder Zinnkraut), Verwendung von rückfettenden Cremes und durch juckreizstillende Medikamente gelindert werden.

Verwenden Sie Kleidung aus Baumwolle und achten Sie darauf, dass die Raumtemperatur nicht zu hoch ist. Eine Möglichkeit ist eine mit Eiswürfeln gefüllte Blumenspritze, um die Haut abzukühlen.
Dr. Peter Voitl

Interessante Links
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BLAUGRAU MEDIA   Aktualisiert am: 31.07.2010